Feuerwehr-Landesentscheid in Bockhorn
zur Bildergalerie


Mission Bockhorn
Ein Rückblick von Stefan Behrens (Gruppenführer)


Sonntag, 4. September 2011. Dieses Datum schwirrte das ganze Jahr in unseren Köpfen rum. Nachdem wir im letzten Jahr mehr schlecht als recht die Qualifikation zum Landesentscheid beim Regionalentscheid in Klein Meckelsen erreicht hatten (Platz 7), wollten wir es besser machen. Denn wir können es besser.
Im März geht die "Saison" los. Wir nahmen uns vor, gut aus dem Winter zu kommen, indem wir uns zunächst im Feuerwehrhaus auf das Kuppeln konzentrierten. Uns ist klar, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir das Binden um 100% verbessern würden. Heißt: Mastwurf und Halbschläge müssen in einem Guss sitzen. Immer und immer wieder werden die Handgriffe geübt. Solange, bis es uns aus den Ohren rauskommt.
Im April wird das Wetter wider Erwarten sehr mild und trocken. Also, raus auf Übungsbahn. Nun geht es an die anderen 3 Zeittakte: Winterstarre ablegen, Technik üben, Verbesserungen besprechen, nochmal üben, schneller werden, nochmal üben. Immer wieder.
Nur 3 Wettkämpfe bis zum Finale in Bockhorn. Verdammt wenig, um die Kameraden unter Wettkampfbedingungen fit zu bekommen. Erster Wettkampf in Rüspel: 1. Platz, zweiter Wettkampf in Vierden: 1. Platz, Samtgemeindesieger, dritter Wettkampf und damit Generalprobe in Klein Meckelsen: 4. Platz, zwei Fehler bekommen, Selbstvertrauen angekratzt. Also: nochmal intensiv üben, alle ziehen voll mit, die Zeiten sind gut, geht doch...
Endlich ist es soweit: das Wochenende in Bockhorn steht an. Sechs Kameraden fahren schon am Freitag nach Friesland, um als "Späher" das Feindgebiet zu erkunden. Tobi und ich fahren Samstag nach, um das Feldlager in Varel zu sichern. Sonntagmorgen sollen die anderen Kameraden nachstoßen, um den Landesolymp zu stürmen.
Als Startzeit ist 8.45 Uhr auserkoren. Verdammt früh, aber auch gut, weil man sich dann nicht vorher verrückt machen kann. Also, früh raus aus den Federn. Um 5.30 Uhr klingelt das Handysignal. Aufstehen, duschen, rasieren und...ey, was ist das denn? Magenschmerzen und Übelkeit stellen sich bei mir ein. Frühstück. Sieht alles lecker aus, aber Appetit? No Way! Ich bin kurz vorm Kotzen und mach' das Fenster im Restaurant auf, erstmal luftholen. Hab' ich mir hier einen Virus eingefangen oder was? Sachen zusammenpacken, auschecken. Los geht´s. Gegen 7.15 Uhr sind wir im Einsatzgebiet. Leichter Regen zieht auf. Ob die Wettkampfbahn bei diesen Bedingungen hält? Okay, umziehen, aufrödeln, aufwärmen. Den Jungs geht's prima. Und mir? Die Übelkeit wird stärker. Tief durchatmen! Wir sind dran zum Auslosen. Rein ins Zelt, lächeln, guten Eindruck machen. Auslosung: Kai Uwe-Wassertruppmann, Schloss-Angriffstruppmann, Benny-Angriffstruppführer, Mark-Wassertruppführer, Stifler-Schlauchtruppführer, David ist "nur" Schlauchtruppmann, hätte besser sein können, aber na gut, das Problem haben alle anderen auch. Die Jungs besprechen sich truppweise. Alle sind konzentriert. Sieht gut aus. Ran an die Kampfbahn. Der Bahnleiter steht bereit. Ich geh noch einmal zu den Kameraden und schwöre sie ein: jetzt gilt´s die Belohnung für all die Mühen einzuholen. Los geht's. Die ersten beiden Zeittakte kann ich nicht sehen, weil ich die Lage erkunden und einen Funkspruch absetzen muss. Hoffentlich ging alles gut. Der 3. Zeittakt mit Benny und Schloss geht los. Aber was ist das? Schloss lässt bei der Übergabe die Kupplung fallen...und kickt sie einfach mit dem Fuß nach vorne, bückt sich im vollen Lauf, nimmt die Kupplung auf und rennt nach vorne. Wow! Geht das? Fehler? Egal, weiter. Der 4. Zeittakt beginnt. Stifler rollt die Schläuche aus, sieht gut aus, kein Schlauch fällt um, los jetzt, Wasser nach vorne, der Kanister fällt. Wasser halt! Zum Abmarsch fertig! Die Jungs rollen die Schläuche auf, was sagt mein Magen? Hm, komisch, kein Magendruck, kein kalter Schweiß. Ist der Virus schon weg? Pascal zeigt mir die Restzeit: noch 3 Minuten, sauber, das passt heute. Günter Tiemann, der als Schiedsrichter eingesetzt ist, kommt an mir vorbei und sagt leise: "Super Übung." Der Bahnleiter steht ein paar Meter weiter und lächelt mich an. Cool. Hini meldet: Fahrzeug fahrbereit, ich drehe mich zum Bahnleiter und melde: Übung beendet. Die Schiedsrichter kommen zusammen, um sich zu besprechen. Der Bahnleiter fragt der Reihe nach ab: Maschinist – kein Fehler, Melder – kein Fehler, Angriffstrupp – kein Fehler, Wassertrupp – kein Fehler, Schlauchtrupp – kein Fehler. Yes! Und die Zeiten? 1. ZT: 20,3; 2. ZT: 9,0 (Tagesbestleistung, wie sich später herausstellen sollte!); 3. ZT: 20,5; 4. ZT: 20,79. Sind wir unter 70,0? Ich rechne schnell im Kopf. Schade, knapp drüber. Der Bahnleiter sagt zu mir: "Kannst ruhig äächeln, war 'ne tolle Übung." Kann ich aber irgendwie nicht, denn noch ist nichts entschieden. Ich gehe zu den anderen und verkünde: keine Fehler. Okay, der Angriffstrupp muss noch die Knoten machen, Hini, Tobi und ich Fragen beantworten. Also los zum Prüfungszelt. Ich setze mich und ziehe die Fragen. Keine Probleme. Dann noch Koordinaten. Der Schiedsrichter sagt zu mir: "Ist ein markanter Punkt auf der Karte." Ich denke, danke für den Tipp. Planzeiger auf die Karte. Aber was ist das denn für'n Teil? Ein Plastikquadrat mit zig verschiedenen Maßstäben. Welcher gilt denn jetzt? Ich werde nervös, der Magen meldet sich wieder. Jetzt ganz cool bleiben. Ein Blick oben auf die Karte. Da steht´s doch: 1:50.000. Wo ist der richtige Maßstab auf dem Plastikteil? Zweimal drehen. Da ist er, unter dem 25.000er. Ich lege den Maßstab auf das Planquadrat und bin lt. Planzeiger in der Pampa. Moment, er sagte doch: markanter Punkt. Irgendwas stimmt nicht. Nochmal überlegen. Ich Idiot, ich bin nach dem 25.000er Maßstab gegangen. Also nochmal hinlegen. Alles klar, markanter geht’s nicht: das gesuchte Objekt ist die Autobahnabfahrt, na also, geht doch. Keine Fehler, ich gehe aus dem Zelt. Henry schaut mich erwartungsvoll an: ich lächle... Nun beginnt das lange Warten. Die Übungen von Garze, Testorf und Höver sehen verdammt gut aus. Die sind unter 70,0 in den Zeittakten. Reicht es noch? Ein Kamerad aus Höver spricht mich an und berichtet, dass Testorf einen oder zwei Fehler hat. Zuversicht macht sich breit.
Die Siegerehrung steht an. Es ist warm, die Luft ist schwül. Und ich muss in Uniform antreten und vor bei den Gruppenführern stehen. Zuerst die LF-Wertung: Klein Meckelsen Neunter, dann die ersten drei. Platz drei geht an unsere Freunde aus Barum. Da dann hat wohl Woltersdorf gewonnen. Aber was ist das? Zweiter ist Woltersdorf! Ja, wer ist denn dann erster? Sellstedt aus dem Kreis Cuxhaven! Die hatte keiner auf dem Zettel. Als Letzter gestartet und das Feld von hinten aufgerollt. Respekt. Jetzt ist die TS-Wertung dran. Wieviele Punkte haben wir? So um die 423 müssten es sein, sollte eigentlich für Platz 5 reichen. Hesebeck nur Zehnter, Testorf mit Fehler Neunter, der Sechste und der Fünfte werden aufgerufen. Und wir immer noch nicht. Vierter: Gollern mit 420 Punkten. Sauber, wir nehmen auf jeden Fall eine Plakette mit nach Hause. Es geht weiter: Dritter mit 423,84 Punkte – Groß Meckelsen. Der Jubel bricht los. Ich gehe nach vorne, um die Bronze-Plakette in Empfang zu nehmen, Hände schütteln, noch ein Foto. Thomas Schnackenberg neben mir gratuliert mir. Platz 2 für Garze. Landessieger: Höver mit 1,3 Punkten Vorsprung auf uns. Glückwunsch!
Jetzt gibt’s kein Halten mehr: ich laufe zu den Jungs, wir feiern... Ein schöner Tag und ein lange Vorbereitung gehen erfolgreich zu Ende: 3. Sieger beim Landesentscheid 2011.

Ein Dankeschön an alle Kameraden, unsere Unterstützer und unsere Familien.

Stefan Behrens

zur Bildergalerie