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Wie versprochen hat uns die Biomethan Sittensen zu einer Biogas-Anlagen-Besichtigungsfahrt eingeladen. Am Samstag, dem 27. August war morgens um 9 Uhr Treffpunkt am DGH. Neben unserem Bürgermeister, Ratsmitgliedern, Vertreter von MT-Energie, Geschäftsführer und Kommanditisten der Biomethan Sittensen fanden sich insgesamt 51 Interessierte ein und der gut gefüllte Reisebus machte sich auf nach Bruchhausen-Vilsen. Nach einer guten Stunde Fahrt, während der wir gut mit Kaffee, belegten Brötchen und anderen Getränken versorgt wurden, erreichten wir die Biogasanlage der H.A.N.S.-Energie.

H.A.N.S. steht übrigens für die Namen der vier Teilhaber dieser Biogas-Anlage, deren Eckdaten ich kurz zusammenfasse: es handelt sich um eine 2-Megawatt-Anlage, mit 6 Behältern, die mit Mais, Rinder- und Schweinegülle befüllt wird. Sie ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und verkauft seit März Biogas an die dortigen Stadtwerke. Ein Wärmekonzept ist in Planung. Für diese Anlage werden 750 ha Mais angebaut, 2/3 der Fläche sind im Besitz der vier Teilhaber. Sie wird täglich mit 100t Mais und 20qm Gülle „gefüttert“. Die gesamte Anlage steht auf einer Fläche von 3 ha, die bereits vorher als Gewerbegebiet ausgewiesen waren. Die nächste Wohnbebauung ist etwa 350 m entfernt. Außerdem sind 2 volle Arbeitsplätze entstanden, die sich hier auf 4 Mitarbeiter aufteilen.

Die ganze Anlage macht mir einen sehr technischen, aber ordentlichen Eindruck. Was mir auffiel war, dass man wohl die Maissilage riechen konnte, aber sonst nichts. Riesig erscheinen die Maislagerplätze mit ca. 6 m hohen Silagebergen. Ebenso groß die 6 Behälter. Die gesamte technische Anlage wirkt daneben eher klein, ist aber hoch interessant, wenn man etwas davon versteht.
Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und der Geschäftsführer Henning Lohmann und ein Teilhaber zeigten uns die Anlage. Unser Rundgang begann im Kontrollraum. Hier laufen alle Daten der Anlage im Computer zusammen und werden ständig überwacht. Außerdem steht hier auch eine externe große Pumpe, die alle Behälter und Stationen im Notfall ansteuern kann. Sollten Störungen eintreten, wird sofort der diensthabende Mitarbeiter per Handy informiert. Auch während der nicht üblichen Arbeitszeiten, wie man uns bestätigte. Am Anfang gab es wohl „schlaflose Nächte“, aber inzwischen läuft die Anlage planmäßig. Nächste Station unserer Besichtigung war das Blockheizkraftwerk, welches in einer Art Container leise brummte. Als man die Tür öffnete bekamen wir einen Eindruck von dem Lärm, den ein „Schiffsmotor“ machen kann! Viel glänzenden Edelstahl in Form von Rohren und Apparaturen bekamen wir im Bereich der Gaswäsche und- Aufbereitung zu sehen. Ganz ehrlich war das zuviel Technik für mich, aber es ist faszinierend. Die turmartige Anlage, in der das Biogas im Notfall „abgefackelt“ wird, steht eher traurig am Rande. Zufällig wurden gerade Gärreste abgepumpt und wir konnten mal eine Nase riskieren. Also ich habe nichts gerochen – unglaublich, aber war! Weiter ging es zur Gülleannahme und auch hier mussten wir erst die Abdeckung aufmachen, um den uns wohlbekannten Güllegeruch wahrzunehmen. Zu guter letzt durften wir die Treppen zu den Gärbehältern erklimmen, aber leider konnten wir durch die vorhandenen Bullaugen nichts im Inneren erkennen. Von hier oben hatte man auch einen guten Blick über die Silageflächen, deren Sicker- und Oberflächenwasser übrigens gesammelt und über das Endlager der Anlage entsorgt wird. Wir haben viele Fragen gestellt und bekamen sie auch sehr gut beantwortet. Beeindruckt haben mich die vielen Sicherheitsvorkehrungen, die in allen Bereichen doppelt und dreifach vorhanden sind. Auch meine Frage nach Widerstand der Bevölkerung wurde ehrlich beantwortet. Es gab eine Bürgerinitiative mit der man sich auseinander- bzw. zusammengesetzt hat. Die Sorge um Geruchs- und Lärmbelästigung hat sich schnell erledigt und das erhöhte Verkehrsaufkommen hat man mit glasklaren Anordnungen geregelt. Z.B. nur mit leeren Gespannen am Wohngebiet vorbei und an Schulen oder Kindergärten schon mal gar nicht. Seitdem die Anlage in Betrieb ist, hat es keine Einwände mehr gegeben!
Im Anschluss an diese lehrreiche und anschauliche Besichtigung bedankte sich Manfred Heppner im Namen aller bei der H.A.N.S.-Energie und überreichte einen Apfelbaum für die noch zu erstellende Bepflanzung der Biogas-Anlage. Nun machten wir uns wieder auf den Heimweg. Leider musste das leckere Essen im DGH noch etwas länger auf uns warten; denn bei einem Zwischenstopp an der Raststätte Grundbergsee rammte uns ein Wohnwagengespann und verursachte Lack- und Beleuchtungsschaden am Heck des Busses.

Sonst fahre ich nur an solchen Anlagen vorbei und hier konnte ich mir das mal aus der Nähe anschauen und beschnuppern. Sicherlich soll „unsere“ Anlage noch größer werden, aber mir bereitet das jetzt kein Unbehagen mehr.

Lydia Wilkens

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